Warum wir eine Kaffee-Karte haben
Ein Sprint Planning erfordert enorme geistige Kapazitäten. Ein bis zwei Stunden lang entwirft man im Kopf Softwarearchitekturen, analysiert technische Risiken und verhandelt live mit Product Ownern über den Scope.
Die Psychologie der Entscheidungsmüdigkeit
In der Psychologie nennt man das Entscheidungsmüdigkeit (Decision Fatigue). Nach etwa 45 Minuten intensiver geistiger Arbeit macht sich Erschöpfung breit. Man hört auf, kritisch nachzudenken. Die Leute fangen an, einfach das zu schätzen, was der Kollege neben ihnen gewählt hat – Hauptsache, das Meeting ist schneller vorbei. Die Schätzungen verwandeln sich von hochgradig analytisch zu völlig unbrauchbar.
Genau deshalb gibt es die Kaffee-Karte.
In einem guten Online-Tool für Planning Poker findet man immer eine Karte mit einer kleinen Kaffeetasse darauf. Das ist kein Scherz und auch kein niedliches Gimmick, sondern ein taktisches Werkzeug. Wenn jemand in der Runde merkt, dass die Konzentration nachlässt, spielt er bei der Abstimmung einfach die Kaffee-Karte anstelle einer Zahl.
Das bedeutet schlichtweg: "Mein Kopf ist leer und jede Schätzung, die ich jetzt abgebe, ist völlig wertlos."
Wird die Kaffee-Karte gespielt, gibt es keine Diskussion. Das Team macht sofort 5 bis 10 Minuten Pause. Etwas trinken, sich strecken, einfach mal komplett weg vom Bildschirm. Ihr werdet staunen, wie viel präziser die Schätzungen ausfallen, wenn ihr euch danach wieder an die Arbeit macht.